Chapter 1 of 3 · A2 · Easy
Der Acker in der Mitte
A Village Romeo and Juliet
An einem schönen Fluss, eine halbe Stunde von der Stadt Seldwyl, lagen auf einem Hügel drei lange Äcker nebeneinander. Auf den beiden äußeren pflügten an einem schönen Septembermorgen zwei Bauern, Manz und Marti. Sie waren etwa vierzig Jahre alt, reich und angesehen. Der Acker in der Mitte gehörte niemandem. Er lag seit vielen Jahren wild und war voller Steine und Unkraut.
Die beiden Bauern wussten: Der mittlere Acker gehörte eigentlich dem schwarzen Geiger, einem armen, heimatlosen Musikanten. Er war wohl der Enkel des früheren Besitzers. Aber er hatte keine Papiere und konnte es nicht beweisen. Jedes Jahr pflügte Manz still eine Furche vom mittleren Acker ab, und Marti auch. So wurden ihre eigenen Äcker immer größer, und der mittlere immer schmaler.
Am Mittag brachten ihre Kinder das Essen: Sali, der Sohn von Manz, ein Junge von sieben Jahren, und Vrenchen, die Tochter von Marti, ein Mädchen von fünf Jahren mit braunen Augen und dunklen Locken. Während die Väter aßen, spielten die Kinder zusammen in dem wilden Acker zwischen den Disteln.
Jedes Jahr wurde der mittlere Acker schmaler. Die Steine lagen jetzt wie eine lange Mauer zwischen den Feldern. Nach einigen Jahren wurde der Acker öffentlich versteigert, und Manz kaufte ihn. Aber Marti hatte auf seiner Seite noch ein kleines, schiefes Stück davon abgepflügt. Manz wollte es zurück. Marti sagte nein. Da warf Manz alle Steine vom Acker auf dieses kleine Stück. Marti holte das Gericht. Von diesem Tag an hatten die beiden Bauern einen Prozess miteinander, viele Jahre lang, und sie hörten nicht auf, bis sie beide arm waren.
Sie bezahlten Anwälte, verloren Geld und Zeit, und ihre Höfe verfielen. Sie hassten sich jetzt. Die Kinder durften nicht mehr zusammen spielen. Martis Frau wurde traurig und krank und starb, bevor Vrenchen vierzehn Jahre alt war. Endlich verlor Manz seinen Hof. Er zog mit seiner Frau und Sali nach Seldwyl und machte dort eine kleine, schmutzige Kneipe auf. Aber es kamen kaum Gäste.