Im Frühling kam ein junger Baron aus Wien mit dem Zug auf den Semmering, in die Berge. Er hatte ein paar Tage Urlaub und wohnte in einem eleganten Hotel. Aber er langweilte sich. Er war ein Mann, der immer ein kleines Abenteuer mit einer Frau suchte. Im Hotel gab es aber fast keine Gäste, die ihn interessierten.
Beim Abendessen sah er eine schöne, elegante Dame mit ihrem Sohn. Der Junge hieß Edgar und war etwa zwölf Jahre alt, ein blasser, nervöser Junge mit dunklen Augen. Er war der einzige Sohn eines reichen Rechtsanwalts in Wien. Der Baron dachte: Die Dame gefällt mir. Und der Weg zur Mutter führt am besten über das Kind.
Am nächsten Tag sprach der Baron Edgar in der Halle an. Er war freundlich und interessiert, und er sprach mit ihm wie mit einem Erwachsenen. Edgar war sehr stolz. Kein Erwachsener hatte je so mit ihm gesprochen. Der Baron erzählte ihm, dass er zu Hause auf seinem Gut viele Hunde hat. „Wenn du brav bist, bekommst du einen.“ Edgar war glücklich. Bald stellte er den Baron seiner Mutter vor. Er war stolz auf seinen neuen Freund, aber teilen wollte er ihn mit niemandem.
Bald waren die drei jeden Tag zusammen. Sie machten Spaziergänge, fuhren mit dem Wagen durch die Berge und saßen beim Essen am selben Tisch. Edgar liebte den Baron mehr, als er je einen Freund, seinen Vater, seine Mutter oder Gott geliebt hatte. Der Baron erzählte spannende Geschichten von Reisen, Jagden und Elefanten.
Aber eines Abends schickte die Mutter Edgar früh ins Bett. „Ich erzähle dir die Geschichten von den Elefanten morgen“, sagte sie. Edgar wollte nicht weinen vor seinem Freund. Er gab beiden die Hand und lief schnell hinauf. Erst in seinem Zimmer kamen ihm die Tränen. Die Mutter blieb mit dem Baron unten. Sie tranken Champagner, und das Gespräch wurde leise und gefährlich.