Wien, an einem Abend um 1900. Leutnant Gustl, ein junger Offizier, sitzt in einem Konzert. Es ist ein Oratorium, ein langes, ernstes Stück für Chor und Orchester. Gustl langweilt sich sehr. Er schaut auf die Uhr: Erst Viertel vor zehn! Ihm kommt es vor, als sitze er schon drei Stunden hier.
Eigentlich wollte er gar nicht kommen. Sein Freund Kopetzky hat ihm die Karte geschenkt, weil Kopetzkys Schwester im Chor singt. Gustl denkt an viele Dinge, nur nicht an die Musik. Er schaut ein hübsches Mädchen in einer Loge an. Er denkt an Steffi, seine Freundin, die er heute nicht sehen kann. Er denkt an das Kartenspiel von gestern: Hundertsechzig Gulden hat er verloren! Jetzt muss er wieder seiner Mutter schreiben und um Geld bitten.
Und er denkt an morgen. Morgen um vier Uhr nachmittags hat er ein Duell mit Säbeln. Vor kurzem war er bei einer Gesellschaft. Dort hat ein Doktor über das Militär gesprochen. Er hat gesagt, dass nicht alle Offiziere aus Liebe zum Vaterland zum Militär gehen. Gustl hat sich beleidigt gefühlt und den Doktor zum Duell gefordert. „Warten Sie nur, Herr Doktor“, denkt er. „Ihnen wird das Lachen vergehen!“
Endlich ist das Konzert zu Ende. Gustl geht schnell die Treppe hinunter zur Garderobe, um seinen Mantel zu holen. Dort ist ein großes Gedränge. Ein dicker Mann steht vor ihm und macht keinen Platz. „Nur ein bisschen Geduld!“ sagt der Mann. Gustl wird ungeduldig und grob: „Halten Sie das Maul!“
Der Mann dreht sich um. Gustl kennt ihn: Es ist der Bäckermeister Habetswallner, der jeden Tag ins Kaffeehaus kommt. Plötzlich hält der Bäcker den Griff von Gustls Säbel fest. Er ist viel stärker als Gustl. Ganz leise, so dass niemand es hört, sagt er: „Herr Leutnant, wenn Sie das geringste Aufsehen machen, ziehe ich den Säbel heraus, breche ihn und schicke die Stücke an Ihr Regiment. Verstehen Sie mich, Sie dummer Bub?“
Gustl steht da wie gelähmt. Er kann nichts sagen und nichts tun. Dann lässt der Bäcker den Säbel los, sagt laut und freundlich „Habe die Ehre, Herr Leutnant!“ und geht.