Im Herbst 1787 fuhr Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Frau Constanze von Wien nach Prag. Dort sollte seine neue Oper „Don Juan“ zum ersten Mal gespielt werden. Sie reisten in einer gelbroten Kutsche, die einer alten Bekannten gehörte.
Es war der dritte Reisetag, der vierzehnte September, und es war sehr heiß. Mozart saß ohne Rock in Hemdärmeln im Wagen. Plötzlich merkten sie, dass ein Fläschchen mit teurem Parfüm aufgegangen war. Es war ganz in die Kleider und die Polster gelaufen. Constanze war traurig. „Ich habe es gespart wie Gold!“ Aber Mozart lachte: „So war es wenigstens zu etwas nütze. Jetzt riecht der ganze Wagen frisch.“
Am Mittag hielten sie in einem Dorf. Hinter dem Dorf lag ein kleines Schloss, das einem Grafen gehörte. Constanze legte sich im Gasthof schlafen. Mozart ging spazieren, durch eine Allee in den schönen Garten des Schlosses. Bei einem Springbrunnen setzte er sich in eine Laube. Neben ihm stand ein kleiner Orangenbaum voll schöner Früchte.
Die Orangen erinnerten Mozart an eine Szene aus seiner Kindheit in Italien. Er dachte an Musik und war mit seinen Gedanken ganz weit weg. Ohne es zu merken, pflückte er eine Orange. Er nahm ein kleines Messer aus der Tasche und schnitt die Frucht langsam in zwei Hälften. Er roch daran und dachte an eine Melodie.
Da hörte er Schritte. Vor ihm stand der Gärtner, ein großer, breiter Mann. Mozart wurde rot. „Wer sind Sie?“ fragte der Gärtner. „Kapellmeister Mozart aus Wien.“ „Diese Früchte sind gezählt“, sagte der Gärtner. „Der Baum ist für ein Fest bestimmt. Ich lasse Sie nicht gehen.“ Mozart wollte ihm ein Trinkgeld geben, aber er hatte kein Geld bei sich.
So schrieb Mozart einen kleinen Brief an die Gräfin: „Hier sitze ich Unglücklicher in Ihrem Paradies, wie Adam, nachdem er den Apfel gekostet hat. Und ich kann die Schuld nicht einmal auf eine Eva schieben, denn meine Frau schläft im Gasthof.“ Er unterschrieb: „W. A. Mozart, auf dem Weg nach Prag.“ Der Gärtner brachte den Brief ins Schloss.